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11. Juni 2014

KLEIN, ABER FEIN

Solarmodule Es gibt sie tatsächlich immer noch: kleinere Modulhersteller in Deutschland, die mit Qualitätsprodukten im hart umkämpften Markt erfolgreich sind. Der Markteinbruch zwang diese Unternehmen zu herben Einschnitten und zur Neuausrichtung. (Ein Artikel von Petra Franke, erschienen in der Zeitschrift Photovoltaik, 06/2014)

Kleinere Modulhersteller in Deutschland gibt es noch rund ein Dutzend. So unterschiedlich deren jüngste Firmengeschichte ist, gibt es doch auch Parallelen. Fast alle der hier porträtierten Unternehmen haben Kapazitäten und Personal abgebaut, in drei Fällen schaffte erst der Gang zum Insolvenzgericht die notwendigen Voraussetzungen für einen Neuanfang.

In den Gesprächen betonen die Geschäftsführer und Vertriebsleiter dieser Unternehmen immer wieder die Qualität ihrer Produkte und verweisen auf zusätzliche Tests, Sorgfalt bei der Auswahl der Materialien und Maßnahmen zur Qualitätssicherung. Und ein anderes Merkmal eint sie: der enge Kontakt zu Installateuren und Kunden und die Flexibilität, individuelle Kundenwünsche erfüllen zu können. …

Partnertag2014

Übernahme in vier Wochen

Zwei der hier porträtierten Modulhersteller kommen eigentlich aus dem Maschinenbau und produzieren mit Anlagen, die ursprünglich Präsentations- und Vorzeigeanlagen für Kunden waren. Einer davon ist SI Module aus Freiburg. Im Jahr 2008 ursprünglich als Technologiezentrum des Maschinenbauers Somont errichtet, ging die zur Präsentation erbaute Fertigung später an Meyer Burger. Meyer Burger wiederum errichtete ein eigenes Technologiezentrum in der Schweiz und verkaufte das Freiburger Werk an einen Investor.

Dieser führte das Werk als Solar Industries, daher kommt auch der Name SI. Allerdings hatte die damalige Unternehmensführung größere Unternehmensstrukturen und Pläne im Visier. Anfang 2012 kam die Insolvenz, und die ursprünglichen Gesellschafter, unter ihnen der heutige Geschäftsführer Gregor Reddemann, kauften ihr altes Werk zurück. Dabei übernahmen sie das Personal und noch viel wichtiger: alle Gewährleistungszusagen des Vorgängers.

Modulpreis steckt in der Qualität

Die Kapazität von 25 Megawatt wurde 2013 zwar nicht ausgelastet, aber dennoch erreichte das Unternehmen ein positives Jahresergebnis. „Wir mussten nach dem Neuanfang sehr scharf kalkulieren. Herausgekommen ist eine konsequente Produkt- und Kundenorientierung. Der größte Anteil vom Modulpreis steckt in der Qualität des Moduls selbst. Das ist die optimale Wertschöpfung. Keine aufwendigen Werbekampagnen, Verwaltungsabläufe oder starre und damit teure Produktionsprozesse“, fasst Reddemann die Managementstrategie von SI zusammen. Ebenso wichtig für den Erfolg ist aber in seinen Augen die enge Bindung an den Installateur. „Wir entwickeln unsere Module gemeinsam mit sehr erfahrenen Installateuren, die genau wissen, worauf es bei der Montage ankommt.“ Zur Auswahl der Komponenten betont er: „Wenn die Qualität stimmt, entscheiden wir uns für kurze Wege und damit für Lieferanten aus der Region.“

Zellhersteller in Deutschland sind rar geworden oder produzieren nur für den Eigenbedarf wie im Falle von Hanwha Q-Cells, deshalb werden die für SI Module typischen Hochleistungszellen nun auch aus Taiwan importiert. Rahmen kommen aus Offenburg von Sapa, Anschlussdosen vom deutschen Hersteller Kostal, Solarglas von Interfloat aus Brandenburg und die Rückseitenfolien vom Nachbar aus Freiburg, Dunmore.

Module kauft man nicht am Wühltisch

Auch der Modultransport wird als Innovationsfeld bearbeitet. SI liefert Module in eigens entwickelten stapelfähigen Paletten. Darin stehen die Module auf ihrer langen Kante. So passen 25 Module auf eine Palette, nicht wie sonst üblich nur 16. Der Monteur auf der Baustelle kann sie außerem leicht entnehmen. Und noch ein Plus: Die Paletten sind Mehrwegpaletten, weitere Verpackungsmaterialien wurden minimiert – der Installateur hat also praktisch keinen Müll mehr auf der Baustelle. Auch das ein Beispiel dafür, wie der Nachhaltigkeitsgedanke in Geschäftsideen umgemünzt werden kann.

Reddemann blickt zuversichtlich in die Zukunft. „In Deutschland werden auch in Zukunft vor allem kleine und mittlere Anlagen gebaut. Meist geht es den Betreibern dabei nicht nur um Rendite. Den Bau einer Solaranlage kann man heute eher mit einem Heizungskauf vergleichen. Da legen die Leute Wert auf Langlebigkeit und Qualität. Solche Produkte kauft man nicht am Wühltisch.“ …

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Presseartikel: „KLEIN, ABER FEIN“

Ein Artikel von Petra Franke, erschienen in der Zeitschrift Photovoltaik, 06/2014